Antrag: Entwicklung des Kreises als Standort für 3D-Druck

Antrag vom 15.10.15: „Entwicklung des Kreises als Standort für 3D-Druck“
– zur Behandlung im Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Kultur und Tourismus am 09.11.2015

Die Gruppe Piraten im Kreistag beantragt, die Kreisverwaltung zu beauftragen, Möglichkeiten zur Kooperation im Bereich 3D-Druck zu ermitteln. Diese Technologie wird in der Zukunft eine entscheidende Rolle für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft einer Region spielen. Daher soll die Kreisverwaltung eine langfristige Strategie für die Platzierung der Region als 3D-Druck-Standort erarbeiten.

Begründung
In Solingen startete am 5.5.2015 das Netzwerk 3D Druck.

Solingen: Netzwerk „3D- Druck Solingen“ gestartet


Das Netzwerk soll den beteiligten Unternehmen Vorteile durch Kooperation im Bereich des Kerns der Industrie 4.0, dem 3D Druck bringen. Diese Vorteile sind in Deutschland dringend notwendig, da die Entwicklung zurzeit fast ausschließlich in den USA, Japan und China stattfindet. Deutschland, traditionell einer der wichtigsten Akteure im Bereich der Fertigungsindustrie und der Ingenieurwissenschaften, droht abgehängt zu werden.

Zurzeit gibt es drei „Baustellen“ im Bereich 3D Druck:

1) Materialforschung
2) Serienfertigung
3) Privatanwender

In jedem dieser Bereiche sind rasante Fortschritte zu verzeichnen. Dazu nur einige Beispiele:

Materialforschung: Ständig werden neue 3D Druckverfahren vorgestellt für den Druck mit Metallen (11), lebendem Gewebe (12), mit Gussbeton (10), in Verbundsystemen aus Plastik und Elektronik (4), in Textilien (13) uvm (1) (3). Fast täglich kommen Meldungen über neue Anwendungen, beispielsweise könnten bald ganze Flugzeugtriebwerke (9) gedruckt werden und in der Automobilindustrie wird 3DDruck in allen Bereichen von der Karosserie über Motorteile bis zum Komplettdruck des Fahrzeugs bereits erprobt (15).

Serienfertigung: Bisher galt 3D-Druck als nicht tauglich für die Serienfertigung. Das ändert sich aber gerade. Die Druckgeschwindigkeit (14) und auch die Größe (2), in der gedruckt werden kann, erhöhen sich ständig. In China und Holland werden bereits versuchsweise komplette Häuser in 3D-Druck gefertigt (4).

Privatanwender: Bisher galt 3D-Druck für Privatanwender als teure Spielerei. Auch das ändert sich gerade. Im Jahr 2014 lagen die Preise für die billigsten Heim-3D-Drucker bei rund 1000 Euro, neuere Geräte werden aber schon deutlich unter diesem Betrag angeboten Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter wurde gerade ein 3D-Drucker für den Heimgebrauch finanziert, der nur 179 Dollar kosten und kinderleicht zu bedienen sein soll (8). Damit sind die größten Hürden – hohe Kosten, technisch komplizierte Handhabung – vom Tisch. Viele weitere 3D-Drucker für den Heimgebrauch sind zurzeit in Planung. In den Elektronikmärkten stehen bereits die ersten 3D-Drucker für den Hobbyanwender – sogar Tchibo hat im Weihnachtsgeschäft letzten Jahres ein solches Gerät angeboten (16). Es kann daher erwartet werden, dass 2016 ein ebenso rasantes Marktwachstum beginnt, wie mit der Einführung der ersten bezahl- und bedienbaren Homecomputer in den 80er Jahren (4).

An diesen Entwicklungen darf eine traditionell durch Ingenieurwissenschaften und Fertigungsindustrie geprägte Region wie die Rhein-Ruhr-Region nicht vorbeigehen. Wenn wir nicht schnell handeln, spielen wir auf dem sich bereits jetzt abzeichnenden Markt keine Rolle mehr.
Solingen hat das erkannt, eine Vernetzung der – noch wenigen – Akteure der Stadt im Bereich 3DDruck ist aber zu kurz gesprungen. 3D-Druck ist ein hochkomplexes Feld, an dem neben der Informationstechnologie auch die Materialwissenschaften und sogar die Biowissenschaften beteiligt sind.

Gerade die Groß-Region Bergisches Land, Neanderland, bis ins Rheinland und ins Ruhrgebiet hat aber auf den verschiedenen Feldern viel zu bieten. In den Materialwissenschaften sind wir traditionell führend, aber auch bei Biotechnologie und IT-Entwicklung gibt es hier sowohl im universitären als auch im privatwirtschaftlichen Bereich sehr viel Expertise. Zu nennen sind exemplarisch Firmen wie Bayer, 3M, Qiagen aber auch die Bergische Universität, die sowohl in der Materialforschung als auch in der IT-Entwicklung tätig ist. In Solingen hat man offenbar erkannt, dass diese Aufgabe nur in regionaler Vernetzung zu bewältigen ist, denn dort wurde das ganze Bergische Land selbstverständlich in die Überlegungen einbezogen.

Der Kreis Mettmann, mit seiner Lage zwischen den Industrieregionen Rheinland, Ruhrgebiet und Bergisches Land, schwebt immer in der Gefahr, vergessen zu werden. Er gehört ein bisschen zu jeder dieser Regionen und doch zu keiner. Er ist auch nicht mit einer bestimmten Form von Wirtschaft assoziiert (wie das Ruhrgebiet mit Bergbau, Remscheid mit Werkzeugbau, Solingen mit Schneidwaren oder Wuppertal mit der (aus der Textilindustrie hervorgegangenen) Materialwissenschaft, daher ist es für unseren Kreis umso wichtiger, von vorneherein an einer beginnenden Forschungs- und Entwicklungskooperation teilzunehmen, um nicht außen vor gelassen zu werden.

Auch die rechtzeitige Vorbereitung des Arbeits- und Ausbildungsmarktes auf die Veränderungen durch Industrie 4.0 ist überlebenswichtig für unsere Region. Das gilt sowohl für die schulische Ausbildung als auch für die Fort- und Weiterbildung sowie die industrielle Ausrichtung durch Anschaffung entsprechender Maschinen. Die Konzepte dafür müssen jetzt entwickelt, die Geräte jetzt angeschafft und die Lehrer jetzt ausgebildet werden, damit sie uns in einigen Jahren, wenn ohne Kenntnis von 3D-Software auf dem Arbeitsmarkt kaum mehr etwas geht, zur Verfügung stehen.

weitergehende Informationen:

1 http://3druck.com/forschung/forscher-stellen-erstmals-objekte-aus-reiner-cellulose-am-3ddrucker-her-2335395/

2 http://green.wiwo.de/3d-druck-niederlaender-drucken-bruecke-aus-metall/

3 http://3druck.com/3d-druckmaterialien/micron3dp-hat-durchbruch-mit-3d-druck-von-glas-erzielt-5635452/

4 http://www.manager-magazin.de/unternehmen/it/3d-druck-wird-alle-industriezweigeumkrempeln-a-1039419.html

5 http://www.channelpartner.de/a/erfurt-wird-zur-3d-druck-heimat,3045715

6 http://3druck.com/pressemeldungen/popp-group-druckt-komplette-tuerscharniere-mit-dem-3ddrucker-2635442/

7 http://www.3d-grenzenlos.de/magazin/3d-objekte/3d-druck-staubsauger-selbstgemacht-27114813.html

8 https://www.kickstarter.com/projects/tiko3d/tiko-the-unibody-3d-printer

9 http://www.ingenieur.de/Themen/3D-Druck/Australische-Ingenieure-bauen-Duesentriebwerk-3D-Drucker

10 http://www.baunetzwissen.de/standardartikel/Beton-Betonhaeuser-aus-dem-3DDrucker_3924703.html

11 http://www.rp-online.de/digitales/pc-tablets/3d-drucker-erobern-auch-die-industrie-aid-1.4754874

12 http://www.pressetext.com/news/20140221003

13 http://www.3d-grenzenlos.de/magazin/thema/kleidung-3d-drucker

14 http://www.gadget-rausch.de/2015/03/27/carbon-3d-dieser-3d-drucker-druckt-mithundertfacher-geschwindigkeit/

15 http://3druck.com/industrie/supersportwagen-koenigsegg-one1-mit-hilfe-von-3d-druckentwickelt-4817398/

16 http://www.golem.de/news/tchibo-3d-drucker-beim-kaffeeroester-1411-110797.html

Beschlussvorlage:

Die Verwaltung wird beauftragt, Möglichkeiten zur Kooperation im Bereich 3D-Druck sowohl innerhalb des Kreises als auch mit den Nachbarkreisen und kreisfreien Städten zu ermitteln. Darüber hinaus wird die Verwaltung beauftragt, die Bedingungen für einen Anschluss an das bereits in Solingen begonnene Netzwerk 3D-Druck bei den dortigen Verantwortlichen zu erfragen sowie weitere Möglichkeiten überregionaler Vernetzung zu prüfen. Als Alternative oder Ergänzung soll die Verwaltung eruieren, ob es sinnvoll ist, im Kreis ein eigenes 3D-Druck-Netzwerk zu etablieren. Alle in diesem Bereich geplanten Maßnahmen sollen insbesondere die Aspekte Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, Know-How-Vermittlung in den Schulen, den Aufbau geeigneter Aus- und Fortbildungsprogramme sowie die Ideen der Shared Economy zum Teilen von Informationen beinhalten. Ziel soll eine langfristige Strategie für die Platzierung der Region als 3D-Druck-Standort sein.

Mit freundlichen Grüßen
Gruppe Piraten im Kreistag

Thomas Küppers                          Ria Garcia


Themenbezug zu unserem Wahlprogramm aus 2014: Moderne Wirtschaft bedeutet neue Arbeitsplätze
#3D-Druck #Digitalisierung


Beratungsergebnis zu Vorlage Nr. 10/006/2016
Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Kultur und Tourismus am 22.02.2016

Zu Punkt 8:

Entwicklung des Kreises als Standort für 3D-Druck

KA Küppers erläutert zu Beginn den Antrag der Gruppe PIRATEN. Er betont, dass sein Antrag ein Anstoß für dieses Thema sein soll.

KA Roeloffs stimmt KA Küppers zu, dass es sich bei dem 3D-Druck um eine zunehmend wichtiger werdende Zukunftstechnik handelt. Er weist aber darauf hin, dass es bereits das NanoMikroWerkstoffePhotonik Cluster in NRW gibt, das sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzt. Um auf der einen Seite Doppelstrukturen zu vermeiden, auf der anderen Seite jedoch der Wichtigkeit des Themas zu genügen, schlägt KA. Roeloffs im Namen der CDU Fraktion vor, den Beschlussvorschlag wie folgt zu ändern:
„Die Verwaltung wird beauftragt, sich beim NanoMikroWerkstoffePhotonik zu erkundigen, welche Aktivitäten dort zum Thema 3D-Druck bestehen.“
Weiterhin schlägt KA Roeloffs vor, diese Informationen über den Newsletter des Kreises Mettmann an die Unternehmen weiterzugeben. Ergänzend soll die IHK zum Thema angefragt werden.

KA Dr. Pannes sieht den Antrag eher kritisch, da sie den Prüfauftrag für sehr umfangreich hält. Sie ist zudem der Meinung, dass die Firmen dieses Thema auch aus eigener Kraft bewältigen. Sie ist dafür, das Thema weiter im Auge zu behalten aber auf Beschlussbasis einen Kompromissvorschlag zu finden.

KA Niklaus sieht den Beschlussvorschlag in seinem ursprünglichen Wortlaut kritisch.

LR Hendele schlägt vor, sowohl mit Solingen, wo es seit dem 05.05.2015 das Netzwerk 3D Druck gibt, als auch mit der IHK über das Thema zu sprechen. Prinzipiell hält er das Thema für wichtig.

KA Völker wirbt noch einmal für den Vorschlag von KA Roeloffs. Er warnt davor, eine Tür aufzumachen, die man nicht wieder zu kriegt.

KA Köster-Flashar findet den Vorschlag der CDU-Fraktion gut und würde diesen unterstützen.

KA Köster schlägt vor, die Berufskollegs mit in das Thema einzubinden.

Im Anschluss wird über den von der CDU-Fraktion vorgeschlagenen neuen Beschlussvorschlag abgestimmt.
geänderter Beschlussvorschlag:
Die Verwaltung wird beauftragt, sich beim NanoMikroWerkstoffePhotonik zu erkundigen, welche Aktivitäten dort zum Thema 3D-Druck bestehen.
Abstimmungsergebnis:     einstimmig angenommen


Update: Seit dem 24. November 2016 ist die Wirtschaftsförderung des Kreis Mettmann Mitglied im 3D-Netzwerk Solingen.

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